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24. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Vorstellungsgespräch in der Pflege: So prüfst du die Station

Jonas Benner

CEO & Co-Founder

Ein Vorstellungsgespräch in der Pflege dauert meist 45 bis 60 Minuten. In dieser Stunde prüft dich der Betrieb – und du prüfst zurück: Der Personalmangel in der Pflege ist seit Jahren dokumentiert (Obsan, BFS), gute Stationen sind also nicht die einzigen, die auswählen. Wer mit drei recherchierten Fakten, drei erzählbaren Situationen und sieben eigenen Fragen hineingeht, erfährt in dieser Stunde mehr über den Alltag, als jedes Inserat verrät. Dieser Text liefert beides: die Fragen, die auf dich zukommen, und die, die du stellen solltest.

Recherche: drei Dinge, die selten im Inserat stehen

Schau dir vor dem Termin drei Punkte an. Erstens das Dienstplanmodell: Wunschdienstplan oder feste Rotation, wie viele Wochen im Voraus geplant wird und ob auf den Spätdienst regelmässig ein Frühdienst folgt. Zweitens das Pflegemodell – Bezugspflege, Funktionspflege oder eine Mischform prägt deinen Alltag stärker als jedes Leitbild auf der Website. Drittens die öffentlich zugänglichen Zahlen: Geschäftsberichte grösserer Häuser weisen Personalbestand und teils Fluktuation aus, der ANQ publiziert Qualitätsmessungen aus Akutsomatik, Psychiatrie und Rehabilitation, für Pflegeheime veröffentlicht das BAG medizinische Qualitätsindikatoren. Und wenn dieselbe Stelle seit acht Monaten ausgeschrieben ist, ist auch das eine Information. Notiere zu jedem Punkt eine Frage – so wird aus Recherche ein Gespräch.

Die Fragen, die tatsächlich kommen

Vier Fragen kommen fast immer: Warum wechselst du, warum diese Station, wie priorisierst du, wenn drei Dinge gleichzeitig dringend sind, und wie gehst du mit fordernden Angehörigen um. Dazu Verfügbarkeit, Kündigungsfrist und die Bereitschaft für Nacht- und Wochenenddienste. Antworte in Zahlen statt in Adjektiven: «Station mit 32 Betten, im Spätdienst sechs bis acht Patient:innen pro Pflegefachperson, Schwerpunkt postoperativ» sagt mehr als «viel Erfahrung». Bereite drei Situationen vor, die du in je 90 Sekunden erzählen kannst – eine fachliche, eine im Team, eine mit Angehörigen. Drei reichen, zwei reichen selten. Mit ausländischem Diplom kommen zwei Themen dazu: dein Sprachniveau und der Stand der SRK-Anerkennung.

Die Fragen, die dir zeigen, wie die Station läuft

Frag konkret und nach Zahlen. Wie viele Patient:innen betreut eine dipl. Pflegefachperson im Früh-, Spät- und Nachtdienst, und wie oft war die Station im letzten Monat unter Soll besetzt? Wie sieht der Grade-Mix aus dipl. Pflege HF/FH, FaGe EFZ und AGS EBA aus? Wie lange dauert die Einarbeitung, gibt es ein schriftliches Konzept und eine namentlich benannte Begleitung, und ab wann stehst du allein im Nachtdienst? Gibt es einen Springerpool oder ein Ausfallkonzept – oder wirst du aus dem Frei angerufen? Wie viele Dienste hat letzten Monat Temporärpersonal gedeckt? Nationale Vorgaben zur Dotation sind Teil der zweiten Etappe der Pflegeinitiative und noch nicht in Kraft; verbindlich ist, was der Betrieb heute festlegt.

Über schwierige Situationen sprechen, ohne schlecht zu reden

Erzähl in vier Schritten: Ausgangslage, was du getan hast, wie es ausging, was du heute anders machen würdest. Bleib bei überprüfbaren Fakten – «über vier Monate waren wir im Spätdienst zu zweit für 24 Bewohnende» ist eine Beschreibung, keine Abrechnung. Bei Fehlern gilt dasselbe: Ein Sturz oder eine Medikamentenverwechslung, die du gemeldet und im CIRS, dem Fehlermeldesystem, aufgearbeitet hast, spricht für dich, nicht gegen dich. Wie dein Gegenüber darauf reagiert, ist zugleich dein Kulturtest. Frag zurück, wie im Haus mit Meldungen umgegangen wird, wer die Fallbesprechungen leitet und ob anonym gemeldet werden kann. Und sag, was du gelernt hast – nicht, wer schuld war.

Pensum, Zulagen, Kündigungsfrist: klären vor dem zweiten Termin

Vor dem zweiten Termin sollten fünf Punkte schriftlich vorliegen. Erstens das Pensum samt Bandbreite: Sind 80 Prozent wirklich 80 Prozent, oder 80 plus Einspringen? Zweitens Überstunden und Zeitsaldo – Kompensation in Zeit oder Geld, und was mit Minusstunden passiert. Drittens die Zulagen für Nacht, Sonntag, Feiertag und Pikett: Das Arbeitsgesetz sieht bei dauernder oder regelmässig wiederkehrender Nachtarbeit 10 Prozent Zeitzuschlag vor (mit Ausnahmen), bei regelmässiger Sonntagsarbeit dagegen keinen Lohnzuschlag, sondern Ausgleich in Freizeit. Viertens Weiterbildung: Tage, Kostenanteil, Rückzahlungsfrist. Fünftens Stellenantritt, Probezeit und Kündigungsfrist – ohne abweichende schriftliche Abmachung gilt nach OR ein Monat im ersten Dienstjahr und zwei Monate im zweiten bis neunten. Massgebend sind am Ende Vertrag, GAV oder kantonales Personalrecht – lass dir die Reglemente als PDF geben.

Wie wir dich vorbereiten

Wir bereiten beide Seiten vor. Vor dem Gespräch bekommst du von uns, was wir über den Betrieb wissen: Dienstplanmodell, Einarbeitungspraxis, Teamgrösse, wer im Raum sitzt und was dort erfahrungsgemäss gefragt wird. Wo unsere Angaben dünn sind, sagen wir das, statt zu spekulieren. Danach holen wir die Rückmeldung ein, auch die unbequeme, und geben sie dir weiter. Was wir nicht können: dir sagen, ob das Team zu dir passt – das entscheidest du auf der Station, idealerweise an einem Schnuppertag. Und wenn du vorher wissen willst, ob das Lohnangebot im Rahmen liegt: Der Lohncheck ist kostenlos und unverbindlich.

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