19. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit
Psychiatrie, Reha oder Langzeitpflege: Raus aus der Akutstation
Jonas Benner
CEO & Co-Founder
Der Wunsch, von der Akutstation wegzukommen, beginnt selten beim Lohn. Meistens beginnt er mit einem Dienstplan, der nach der Publikation dreimal geändert wird, oder mit dem Gefühl, Patient:innen nur noch durchzuschleusen. Psychiatrie, Rehabilitation und Langzeitpflege sind die drei Türen, die dann am häufigsten offenstehen – und sie unterscheiden sich stärker voneinander als von der Akutpflege. Dieser Text beschreibt, was dich in jedem der drei Settings an einem normalen Dienstag erwartet, was der Wechsel mit deinem Lohn macht und wie du ein Setting testest, bevor du kündigst.
Psychiatrie: Die Beziehung ist die Intervention
Ein Dienst in der Akutpsychiatrie besteht aus Gesprächen, Beobachtung und Struktur: Bezugspflege, Morgenrunde, Gruppenangebote, Medikamentenabgabe, Eintritte auch nachts, Dokumentation. Körperlich ist es leichter als auf der Akutstation, emotional deutlich schwerer. Deeskalation, fürsorgerische Unterbringungen (Art. 426 ZGB) und akute Suizidalität gehören zu einer normalen Woche. Das Setting belohnt Fachpersonen, die Nähe und Grenze gleichzeitig halten und die Supervision nutzen, statt sie abzusitzen. Was du verlierst, ist die somatische Routine: Dein Diplom und eine NDS HF bleiben gültig, aber wer zwei Jahre keine Spritzenpumpen, kein Monitoring und keine invasiven Zugänge betreut hat, kommt nur über eine geplante Einarbeitung zurück auf die IPS. Grundlohn und Nachtzulagen bleiben vergleichbar, weil der Nachtdienst bleibt.
Rehabilitation: Fortschritt, den du über Wochen siehst
In der Rehabilitation bleiben Patient:innen meist zwei bis vier Wochen, in der Neurorehabilitation deutlich länger. Der Tag ist geplant: Mobilisation, Selbstpflegetraining, Ziele, die im interprofessionellen Team mit Physio-, Ergo- und Logopädie abgestimmt werden, Schulung von Angehörigen vor dem Austritt. Notfälle sind selten, der Dienstplan hält besser, und viele Kliniken fahren nachts und am Wochenende mit reduzierter Besetzung. Genau diese Ruhe kostet: Wer heute sechs bis acht Nachtdienste pro Monat leistet, verliert je nach Reglement mehrere hundert Franken im Monat an Inkonvenienzzulagen – bei gleichem Grundlohn. Belohnt werden Geduld, didaktisches Geschick und die Fähigkeit, kleine Fortschritte sichtbar zu machen. Und auszuhalten, wenn sie ausbleiben.
Langzeitpflege: Du kennst die Menschen, nicht nur die Diagnosen
Im Alterszentrum bleiben Bewohnende Monate bis Jahre; je nach Erhebung haben 40 bis 50 Prozent eine dokumentierte Demenzdiagnose, mit den unerkannten Fällen liegt der Anteil höher (Obsan, BFS). Als dipl. Pflegefachperson HF/FH pflegst du weniger selbst und führst mehr: Du planst den Skill-Mix, delegierst an FaGe und Pflegehelfende SRK, telefonierst mit Hausärzt:innen und Angehörigen und entscheidest nachts oft allein – im Zweifel mit dem ärztlichen Notfalldienst –, ob jemand ins Spital muss. Palliative Care ist Routine statt Spezialgebiet, und die Bedarfserfassung nach BESA oder RAI-NH gehört zum Alltag. Was du verlierst, sind technische Tiefe und Personaldichte. Die Grundlöhne liegen je nach Kanton und Trägerschaft etwas unter dem Kantonsspital, Führungsverantwortung bekommst du dafür Jahre früher.
Was der Wechsel mit dem Lohn macht
Der Grundlohn wandert beim Settingwechsel weniger, als viele erwarten: Für dipl. Pflegefachpersonen liegen die Bänder je nach Kanton, GAV und Erfahrungsjahren grob zwischen CHF 6'000 und 7'500 im Monat (×13). Der Unterschied entsteht darunter. Erstens bei den Inkonvenienzzulagen – Psychiatrie und Langzeitpflege behalten die Nachtdienste, die Reha oft nicht. Zweitens bei der Anrechnung der Erfahrungsjahre: Nicht jeder Betrieb rechnet Jahre aus einem anderen Setting voll an. Das ist verhandelbar und wird selten von selbst angeboten. Vergleiche deshalb nie den Monatslohn, sondern ein ganzes Jahr inklusive Zulagen, und lass dir das Zulagenreglement vor der Unterschrift schriftlich geben. Massgebend sind am Ende Vertrag, GAV und – bei kantonalen Betrieben – das kantonale Personalrecht.
Bevor du kündigst: teste das Setting
Ein Schnuppertag ist in fast jedem Betrieb möglich, auch ohne laufende Bewerbung – aber nimm nicht den ruhigen Dienstagvormittag. Frag nach einem Spätdienst und, wenn es geht, nach einem Wochenendtag: Dort siehst du die Besetzung, die du später tragen musst. Drei Fragen verraten viel. Wie viele diplomierte Fachpersonen sind nachts im Haus? Wie lange dauert die Einarbeitung, und wer begleitet dich namentlich? Wie oft wurde der publizierte Dienstplan im letzten Quartal noch geändert? Wer mehr Sicherheit will, testet ein Setting über einen Temporäreinsatz von drei bis sechs Monaten; der GAV Personalverleih regelt Zulagen, Ferien und Weiterbildungsbeitrag. Die Kündigungsfristen sind dort kurz – in den ersten drei Monaten zwei Tage (AVG) –, praktisch beim Ausstieg, unpraktisch bei der Wohnungssuche.
Wo wir helfen – und wo du uns nicht brauchst
Wenn du innerhalb deines Betriebs wechseln kannst, geh zuerst intern: Das ist schneller, deine Erfahrungsjahre bleiben angerechnet, und du brauchst dafür keine Vermittlung. Von aussen bringen wir drei Dinge mit. Wir organisieren Schnuppertage und Probeeinsätze, bevor du dich bewirbst, statt danach. Wir ordnen dein Lohnband kostenlos ein, inklusive Zulagen und Anrechnung deiner Erfahrungsjahre. Und wir bereiten beide Seiten auf das Gespräch vor, damit die Fragen zu Dienstplan und Einarbeitung wirklich gestellt werden. Beim Suchen und Sortieren unterstützt uns KI, entschieden wird von Menschen: Dein Profil geht erst raus, wenn du zu einem konkreten Betrieb Ja sagst.
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